Vorbereitung

Was mit einem kleinen Inserat begonnen hatte, wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis. Aber nun ganz von Beginn an, blättern wir einige Seiten im Kalender zurück. Unabhängigvoneinander war Ralph und mir in der März-Ausgabe des Oldtimer-Marktes ein kleines Inserat aufgefallen: „Kleinwagen Rally zum Nordkapp“. Was sehr verlockend klang, bei näherer Betrachtung aber wohl eine Nummer zu gross für uns, vor allem aber für unsere Fahrzeuge war. Geleitet von jugendlichem Leichtsinn, starteten wir nach kurzem (sehr kurzem) Abwägen unsere Reiseplanungen und unterzogen die Fahrzeuge einer eingehenden Prüfung. Nach kurzer Zeit stand fest, was wir ja eigentlich schon wussten. Ralphs Messerschmitt, noch mitten im Aufbau und meine Isetta, deren Zuverlässigkeit den Aktionsradius doch sehr Einschränkte würden sich sehr schwer tun auf dieser langen Strecke. Die Zeit verging, der Tag der Abreise nahte, Ralphs Messerschmitt war noch nicht zugelassen und hatte auch kaum mehr als 50 Testkilometer zurückgelegt. Würde die verbleibende Zeit noch reichen ? Unsere Nervosität nahm zu. Es reichte ! Der Messerschmitt war nicht zugelassen, aber zur Not tat es auch eine Exportnummer mit der Er die Schweiz verlassen konnte jedoch nicht wieder Einreisen durfte. Mit diesem Problem wollten wir uns aber erst auf der Rückreise beschäftigen.

Los gings, von Zürich über Lörach mit dem Autozug nach Hamburg und via Rostock mit der Fähre nach Helsinki legten wir den ersten Teil unserer Reise zurück. Nach den ersten Metern auf Helsinkis Kopfsteinpflaster Strassen war klar, die Radlager der Isetta mussten ersetzt werden.

Janne, Organisator der Rally und eine der hilfsbereitesten Personen die man sich Vorstellen kann überlies uns Seine Werkstatt, einen gut gefüllten Kühlschrank und die nötigen Ersatzteile. Das Problem war schnell behoben und hat mir seither keine Sorgen mehr gemacht. Gegen Abend fand sich eine Gruppe deutscher Messerschmittfahrer in Janne’s Garten ein. Während Janne’s Frau am Grill noch die letzen Fischfilets wendete begannen einige den Motor eines Tigers auszubauen und in Einzelteile zu zerlegen. Ein Lager der Kurbelwelle hatte sich gelöst und verursachte verdächtige Geräusche. Morgens um Drei Uhr war der Motor wieder zusammengebaut und hielt die Rally problemlos durch.

Zwei Tage späten bogen wir in den Parkplatz des Schulhauses in Enontekiö ein. Was für ein Bild, Microcars wohin man sah und längst waren nicht alle Angekommen. Einer derjenigen, die bereits den Weg ins Werkstattzelt gefunden hatten war Chop im BMW 600 mit Wohnwagen. Auf den letzen Kilometern vor Enontekiö schlug ein Stein die Frontscheibe Seines Wagens in tausend Stücke. Was nun ? In jeden anderen Land der Welt wäre Chop’s Reise bereits zuende gewesen, bevor sie richtig begonnen hatte. Nicht in Finnland ! 1000 Km weiter südlich in einem Oldtimermuseum stand ein BMW 600. Ein kurzer Anruf, die Scheibe wurde sofort ausgebaut, einem Transporter mitgegeben und Stunden später in Chop’s BMW eingebaut.

Startschuss

Am nächsten Morgen ging es los. Janne erklärte viersprachig (Finnisch, Schwedisch, Englisch, Deutsch !!!) Details der Route und erklärte die Rally für Eröffnet. Wir waren kaum 50 Km gefahren, baute Ralph bereits Seinen Motor aus, Schrauben des Lüfterrades hatten sich gelöst, dies sollte nicht Seine letzte Reparatur sein. (Übung macht den Meiser, heute braucht Ralph keine 15 Minuten mehr für einen Ein- oder Ausbau des Motors).

Trotz der herrlichen Landschaft und der optimalen Organisation der Rally waren diese Reparaturpausen auf der Route oder bis frühmorgens im Werkstattzelt die Höhepunkte der Reise. Alle waren unheimlich Hilfsbereit und mit Bier und Schraubenschlüssel in den Händen lässt sich einfach besser Fachsimpeln. Teilweise lies mich der Eindruck nicht los, einige Fahrer hätten die Rally als Gelegenheit genutzt, Ihre Fahrzeug wieder einmal richtig in Schwung zu bringen.

Am folgenden Tag war es soweit, das Nordkapp lag vor uns. Der Besucher-parkplatz zeigte sich von einer ungewohnten Seite, fast 100 Microcars hatten das symbolträchtige Ziel erreicht. Kurz nach Mitternacht, alle Teilnehmer standen in einer Bar des Nordkapp-Centers. Janne, sehr glücklich aber erschöpft von den letzten langen Tagen erhob sein Glas liess Seine Eindrücke der Rally Revue passieren und danke allen Beteiligen für das Gelingen dieses aussergewöhnlichen Abenteuers. Alle waren sich einig, so was hatte man noch nicht erlebt, während die einen sich fröhlich zu prosteten, gaben andere bereits den mitgereisten Reportern Interviews. Überall waren glückliche Gesichter zu sehen und noch lange bedeckte ein Redeschwall der über 150 Teilnehmen den Raum. In den Morgenstunden bewegte sich der Tross der Fahrzeuge einzeln oder in kleinen Gruppen Richtung Festland zurück. Einige hatten noch eine lange Nacht vor sich, galt es doch die Fahrzeuge wieder fit zu machen. Morgens um Fünf Uhr waren alle Fahrzeuge wieder fahrbereit und die Rückreise konnte beginnen.

Rückreise

Sehr glücklich aber müde nahmen wir den Heimweg, der noch einige Hürden enthalten sollte in Angriff. Erlebnis, Freundschaften und Bilder dieser Reise werden uns noch lange bleiben. Mein grösster Dank geht an Janne, Seine Familie und all die Helfer im Hintergrund die dieses einmalige Erlebnis erst möglich gemacht haben. Warum ich diesen Reisebericht erst jetzt geschrieben habe ? Fast zwei Jahre nach Ende der Rally weckten die Organisatoren unsere Erinnerungen wieder und sandten allen Teilnehmern ein Buch zur Rally, finanziert aus dem Überschuss der Reisekasse ! Sowas gibt es wohl auch nur in Finnland.

Weitere Berichte zur Nordkapp-Rally

Letzte Artikel von oliver (Alle anzeigen)
It's only fair to share...Share on Facebook
Facebook
Email this to someone
email
Tweet about this on Twitter
Twitter
Pin on Pinterest
Pinterest
Print this page
Print

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.