Belcar – ein echter Wollerauer…

Belcar – ein echter Wollerauer…

Die jüngere Geschichte der schweizer Automobilhersteller ist nicht allzu lang. Im Raum Zürich wurden in der Nachkriegszeit zwei Kleinwagen gebaut. Der Rapid in Dietikon und der Belcar in Wollerau. Eben dieses Wollerau feiert schon das Ganze Jahr ihr 800 jähriges bestehen. Eine Festaktivitär ist dem Belcar gewidmet.

Mehr Infos: Plakat, Belcar-Fest in Wollerau

Unter dem Thema „Belcar – ein echter Wollerauer“, kehrt der Wagen am 26. August für einen Tag an seine Geburtsstätte zurück und wird von einigen einheimischen Oldtimern begrüsst.

Besonders freut es mich, dass die ehemalige Besitzerin des Belcars, Frau G. meine Beifahrerin sein wird. 

Zeitungsartikel aus der Lokalpresse: Belcar-Bericht in Lokalzeitung

Reise in die Vergangenheit…

Reise in die Vergangenheit…

Bei strahlendem Sonnenschein führte mich die Seestrasse in Richtung Wollerau. Schon toll, diese Strecke – der Blick auf den See und die verschneiten Berge ist immer allgegenwärtig – in der Regel fährt man in dieser Richtung etwas weiter hangwärts auf der Autobahn. Klar lässt sich auch da der eine oder andere Blick auf See und Berge erhaschen, aber bei 130Km/h fehlt die Zeit, dies richtig zu geniessen. Mit dem Belcar hat man die Ruhe selbst, eine Hand am Steuerrad die andere „lässig“ über die Karrosse hängend fährt es sich locker und beschwingt mit gut 65Km/h.

SeestrasseImBelcar

Bei Richterswil zweige ich rechts ab, nun steigt die Strasse stark an und die Geschwindigkeit nimmt entsprechend ab. Ein richtiger Bergfloh ist der Belcar wahrlich nicht, zu gross und schwer ist der Wagen damit der Sachs 200cm Motor leichtes Spiel hätte. In Wollerau führt die Hauptstrasse direkt zum Restaurant Verenahof. Heute deutet nur noch eine Erinnerungstafel an die einstigen Ereignisse in den Kellerräumen hin.

InfoTafelBelcar

IMG_5245

Vor Ort traf ich auf einige Zeitzeugen, die als Kinder die Produktion miterlebt haben und seither stehts ein Interesse am Belcar hatten. Von Fredy erhielt ich einige Fotos der Produktion sowie einen originalen Prospekt. Wie so oft, spielte auch hier der Zufall eine grosse Rolle. Als Fredy an seinem Haus in der Nähe der ehemaligen Produktionstätte Renovationsarbeiten unternahm, fand man unter einer Türschwelle einen Stapel Belcar Prospekte, diese sorgten dafür dass die Schwelle nicht wackelte !

Zwischen 1956 und 1958 stelle die Firma A. Grünhut gegen 10 Belcar her. Die Karosserien wurden in Holzformen gegossen und auf einer Zwischenebene gelagert. Im selben Raum fand die Fabrikation weiterer Teile sowie der Zusammenbau statt. Im Bild, Ida Mäder beim setzten der Scheibe. Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um eine Variante mit Türausschnitten, dies wurde später verworfen um die Stabilität der Karosserie zu verbessern.

IMG_5251

Im Untergeschoss ist heute u.a. ein Sportcenter untergebracht. Hier war in den 60-iger Jahren der Haupteingang zur Produktionhalle.

IMG_5246

Der Rückweg führte mich über hüglige Berg- und Talfahrten via Schindelegi, Menzikon, Sihlbrugg nach Zürich. So endete ein ereignisreicher Tag mit vielen Impressionen und einigen neuen Bekanntschaften. Nächstes Jahr feiert Wollerau ihr 800-jähriges Bestehen – da wird der Belcar wohl auch wieder zu sehen sein.

BelcarOberhalbWollerau

IMG_5258

 

 

Belcar – erste Bestandesaufnahme

Belcar – erste Bestandesaufnahme

Seit einigen Tagen steht der Belcar in meiner Garage. Nun hatte ich endlich Gelegenheit den Wagen im Detail anzuschauen.

Soviel vorne weg, es gibt viel zu tun!

Mir war schon, als ich im August erste Bilder des Wagens gesehen habe klar, dass der Rahmen von der Karosse getrennt werden muss um alles sinnvoll Bearbeiten zu können. Ausserdem handelt es sich bei einer Serienfertigung von weniger als 10 Fahrzeugen im Grunde um einen Prototyp und damit verbunden auch einige etwas abenteuerliche technische Lösungen. Konnte ich beim Austin 7 die vier Chassisschrauben lösen und dann die Karossiere abheben, ist es beim Belcar etwas schwieriger. Im Moment ist mir noch nicht ganz klar, was alles demontiert werden muss – aber ich glaube eine Menge…

Belcar_Motorraum

Ein Blick in den Motoraum zeigt die komplette Konstruktion von Motor, – Hinterradschwinge und Hilfsgestell für den Stossdämpfer. Änhnlich wie beim Messerschmitt Schwingengummi sind links und rechts zwei Gummis in grosse Rohre einvulkanisiert und sorgen für die nötige Federung. Grundsätzlich wurde einiges beim Karo abgeschaut. Der Tank könnte vom KR175 stammen, Motor und Blackbox entsprechen der Ausführung im KR200 und geschaltet wird mit demselben Schaltknauf mit Leerlaufhebel. Natürlich findet sich auch das Zündschloss mit Eindrückstellung um den Motor rückwärts laufen zu lassen wieder.

Glücklicherweise ist der Wagen bis auf die Uhr im Handschuhfach völlig komplett was gerade beim Belcar von unschätzbarem Wert ist. Dass auch früher schon ab und zu Hand angelegt wurde, zeigt das umfassende Bordwerkzeug, inklusive Wagenheber mit ca. 130cm langer Betätigungswelle, damit auch an entferntesten Stellen der Wagenheber angesetzt werden kann.

050