Heute wurde ich per Mail angefragt, ob ein Trabant 501 zur Gattung der Kleinstwagen (Kabinenroller, Rollermobile) zu zählt.

Eine einfache und klare Frage, die aber gar nicht so ohne weiteres zu beantworten ist. Ich habe mir meine Gedanken gemacht und Wikipedia sowie einige andere Quellen bemüht. Eine allgemein gültige Klassifizierungsregel scheint es nicht zu geben. Ich denke ein Kabinenroller lässt sich durch vier Kriterien klassifizieren.

– Herstellungszeit
– Verkaufspreis
– Hubraum
– Anzahl Räder

Herstellungszeit:
Der Kabinenroller ist aus der Not der Nachkriegsjahre geboren. Einerseits konnte mit dem Kabinenroller eine preisgünstige Alternative zum Automobil, dass für den Grossteil der Bevölkerung unerschwinglich war, geboten werden. Andererseits waren die Betriebe, die vielfach auf den Rüstungsmarkt ausgerichtet waren, gezwungen sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Die Einfachheit der Fahrzeuge sowie das technische Know-how dieser Betriebe führten dazu, dass schnell erste Resultate in Form von Prototypen oder Kleinstserien vorlagen.

Verkaufspreis:
Wie erwähnt waren die Kabinenroller als preiswerte Alternative zum Automobil gedacht. Bei einem Stundenlohn von 2 – 3 Mark und einem Kaufpreis von gut 5000 Mark für einen Käfer lässt sich leicht verstehen, dass selbst ein Käfer für viele Leute ein kaum zu realisierender Traum war. Die Kabinenroller waren im Berich von 2’000 bis knapp 3’000 Mark angesiedelt und erschlossen dadurch neue Käufersegmente.

Hubraum:
In der Regel haben die verschieden Herstellen auf Motorrad-Einbaumotoren von etablierten Herstellern wie Sachs oder ILO zurückgegriffen. Diese Motoren waren günstig, praxiserprobt und konnten trotz ihrer geringen Kubikzahl (150ccm – 300ccm) die leichten Kabinenroller auf ein ansehnliches Tempo beschleunigen.
Wer das erste mal bei knapp 100 Km/h im Messerschmitt sitzt, weiss das dies auch heute noch eine beeindruckende Geschwindigkeit (in einem solch kleinen Wagen nur wenige Zentimeter ab Boden) ist.

Anzahl Räder:
Ein Grossteil der Kabinenroller hatte nur drei Räder. Anderes als die zeitgenössische Werbung uns glauben lässt, ging es dabei mehr um die einfache und günstige Konstruktion als das die Dreiräder einen effektiven Vorteil bei der Strassenlage hatten. Durch die dreirädrige Bauart konnte auf ein Differential verzichtet werden und das schmale Heck sparte Gewicht und Material was den Verkaufspreis tief hielt.

Definition:
So würde ich abschliessend einen Kleinwagen als ein preisgünstiges Fahrzeug aus der Nachkriegszeit mit geringem Hubraum (< 500ccm) und drei, in Ausnahmefällen vier Räder bezeichnen, das oftmals basierend auf Motorradtechnik entstanden ist.

Um nochmals auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, so ist ein Trabant 501 wohl ein Grenzfall. Ich möchte aber zur Toleranz aufrufen, schliesslich sind es die unterschiedlichen Fahrzeugtypen, die ein Kleinwagentreffen interessant machen – und ein Trabant ist wichtiger Zeitzeuge und aus meiner Sicht an jedem Kleinwagentreffen willkommen.

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2 Kommentare
  1. ich bin der meinung dass, ein kabinenroller kein kleinwagen ist.

    kabinenroller: ist was das wort sagt: ein roller mit einer kabine: 2-3 plätze, meist drei räder oder doppelerad und ein motor aus einem roller oder motorrad. messerschmitt, heinkel, isetta 250/ 300, fuldamobil etc. (auch rollermobil genannt)

    der kleinwagen ist eben auch was das wort sagt ein kleiner wagen: also 3-4 sitzplätze, 4 räder, grösserer motor: bis 500/ 600 cc und meist zweizylinder: goggomobil, bmw 600, vespa 400, kleinschnittger, fiat 500/ 600, messerschmitt tiger

    es gibt immer überschneidungen und ausnahmen (citroen 2CV) aber sonst funktioniert die definition ganz gut. der trabi ist für mich ganz klar ein kleinwagen aber niemals ein rollermobil;-)

  2. Grundsätzlich gefällt mir die beschriebene Unterscheidung nach Kabinenroller und Kleinwagen gut.

    Da die genannten Kleinwagen (goggomobil, bmw 600, tiger, etc.) ja Stammgäste bei allen Kleinwagentreffen sind, kann man sagen: ob Kabinenroller oder Kleinwagen ist egal, hauptsache der Fahrer ist kein unangenehmer Zeitgenosse…

    Denn schliesslich geht es bei jedem Hobby ja um die Leute die dahinter stehen !

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