KR200 – Plexihaube zuschneiden und montieren…

Jeder, der schon mal in der Nähe eines Messerschmitt’s stand, weiss zu Berichten, dass zwei Horrorszenarien bei bei einer Restauration zu meistern sind:

  1. Montage des Haubenrahmen mit den Seitenscheibenrahmen
  2. Zuschneiden der Plexihaube

Teil eins hatte ich schon vor einigen Wochen erledigt und war (richtige Vorbereitungs zwingend) gar nicht so schlimm. Aus der ersten Euphorie heraus, sah ich dem zuscheiden der Plexihaube auch entsprechend gelassen entgegen. Nun, ganz so lustig und entspannend war es dann doch nicht…

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der richtigen Vorlage. Ohne eine bereits zugeschnittene Musterhaube, die man in den Rahmen legen und entsprechend die Masse abnehmen kann, wird das Ganze Vorhaben doch etwas kompliziertern und ev. auch teurer.

1. Musterhaube in Rahmen einlegen und Passgenauigkeit überprüfen – wo nötig kann man mit Karton ergänzen so dass die Musterhaube rundherum am Innenrand ansteht.

2. Musterhaube in neue Haube legen und Rand übertragen

2a. Variante für Leute mit grösserer Risikobereitschaft oder dickerer Brieftasche (z.B. Hedge-Fund Manager)

Statt nur eine Line auf die neue Haube zu übertragen, kann man die neue Haube in die alte legen und ein zweites Mass übertragen – genau in der Mitte der beiden Linen liegt das Abschlussmass der Haube. Hier beispielhaft an der gestrichelten Linie zu sehen.

Da eine neue Haube mit € 920.- in den Büchern steht und mir ein direktes zuscheiden auf das Endmass doch etwas gar optimistisch vorkam,  habe ich Variante 2a nicht weiter betrachtet…

3. Mit einer dünnen (1mm) Trennscheibe der Linie nach die Plexihaube zuscheiden.

Funktioniert bestens, keine Gefahr, dass die Haube reisst. Schlimm ist allerdings der Lärm und vorallem die kleinen Plexi-Späne. Unbedingt im freien arbeiten und Schutzbrille tragen.

4. Haube in den Rahmen einlegen. Nach diesem ersten Schnitt sollte die Haube in den Rahmen passen. Falls nicht, kann man mit der Schruppscheibe noch etwas die unschönen Kanten begradigen. Liegt die Haube im Rahmen, kann mit einer Reissnadel die Haube an der oberen Kante des Alurahmen angerissen werden. So sieht man wo noch zuviel Material vorsteht und entsprechend korrigiert werden muss.

Dieser Vorgang: Schleifen – Einpassen – (Ärgern) – Anreissen wiederholt man nun bis die Haube überall auf der Innenseite des Rahmens anliegt.

Vorsicht – vorne nicht zuviel abschleifen da gibt es weniger Spielraum zum Tricksen, sollte die Haube zu klein werden.

5. Haube mit Gummischlauch fixieren (ev. zuvor ein Bier trinken und etwas entspannen). Dabei ist es wichtig vorne zu beginnen und den Gummischlauch mit Seife oder sonstwas „rutschigem“ einzuschmieren damit das Eindrücken einfacher geht.

Da diese Arbeit nicht ganz einfach ist und bei defekter Haube schnell aus finanziellen Gründen die nächsten Familienferien abgesagt werden müssen (verständnisvolle Ehefrau von Vorteil) gibt es allerlei Hilfestellungen in den einschlägigen Foren.

Hier eine ausfühliche Beschreibung von Ralf aus Deutschland:

Rohe Hauben sind immer in Überlänge und müssen immer beschnitten werden. Sind die Hauben gut 30 Jahre alt, ist das Material sicherlich spröde geworden. Dann gilt einmal mehr, dass man die Hauben mit einer ganz dünnen Scheibe flext. Niemals mit einer Stichsäge bearbeiten!

Beim Flexen verschmilzt der Rand, Rissbildung wird so vermieden. Normaler Weise geht man so vor, dass man eine alte Haube zunächst in die neue rein legt und dann von außen anlegt und jeweils mit wasserlöslichem Overheadmarker den Rand markiert. Die „Wahrheit“ – sprich die abzuschneidende Kante – liegt dann in der Mitte. So habe ich mal kurz vor einem Treffen eine Haube innerhalb von 30 Minuten zugeschnitten und montiert (Abholkaro).

Da Du ja keine Haube hast, musst Du schrittweise vorgehen. Zunächst mal die Haube grob mit einer 1-3 mm dünnen Flexscheibe vorschneiden (dünne Flexscheiben benutzt man z.B. im Sanitärbereich zum Schneiden von Gussrohren). Dremel und Minibohrmaschine taugen hier nicht viel, das ist Spielzeug und man schneidet in Wellenform etliche Schleifscheibchen kaputt. Dann die Haube außen gerade über den Alurahmen ziehen und mit rundherum 2 cm Überlänge anzeichnen. Achtung! Die Nut endet natürlich ca. 10 mm unter dem oberen Rand des Alurahmens! Lieber mehr dran lassen als zu viel abschneiden. Nach dem Schneiden die Haube versuchen in die Nut des Alurahmens zu legen. Dann nach und nach immer mehr abschneiden, bis die Haube gleichmäßig an der Innenkante der Nut anliegt. Liegt sie nicht gleichmäßig an, bekommst Du nachher den Haubenschlauch nicht rein!

Die Haube ist konisch geformt. Je mehr Du ringsherum abschneidest, desto mehr legt sie sich an die Innenkante des Alurahmens an.

Besonders im vorderen Bereich darauf achten, dass die Haube da nicht zu viel abgeschnitten wird! Hinten am Heck ist mehr Masse, da kann man noch tricksen aber vorne wird es schnell sehr eng, die Haube wird da sehr schnell zu flach und auf Grund der starken Wölbung lässt sich hier nichts mehr drücken und tricksen. Oft sieht man, dass Leute mit dem Heißluftfön vorne die Hauben ziehen mussten, damit sie vorne noch passen. Das sieht übel aus! Das Beischneiden geht mit der Flex sehr schnell und es riecht wie beim Zahnarzt oder im Dentallabor.

Die Haube wird wenn sie dann passt, vorne, an den Rundungen nach unten und hinten punktuell mit etwas klarem Sanitärsilikon (früher braunes Mastix) befestigt. Alte Tipps sagen dann, man solle den Haubenschlauch mit Rizinusöl einsetzen. Abgesehen davon, dass man sich bei der Arbeit nicht die Finger lecken darf, ist das grober Unfug. Das Öl gibt es nur in der Apotheke, es ist teuer und verklebt beim Einsetzen. Das Öl blüht dann in den kommenden Monaten weiß schmierig aus. Keine gute Idee.

Den Haubenschlauch in warmes Wasser einlegen, Enden aus dem Gefäß heraus, damit er nicht voll Wasser läuft. Dann den Schlauch mit Spülmittel dünn einschmieren, ruhig etwas wässrig halten. Die Mitte des Schlauches suchen, vorne ansetzen und den Schlauch rundherum eindrücken. Die beiden Enden des Schlauches gehören nach hinten in die Mitte und werden gerade abgeschnitten. Den Schlauch beim Einsetzen nicht ziehen, er zieht sich im Laufe der Zeit zurück! Einfach gerade eindrücken.

 

Ein Schritt vor und zwei zurück…

Nein, mein KR200 ist noch nicht fertig –  auch nicht in den nächsten Tagen!

Glaubt man allgemeinen Grundsätzen der Lernmethodik, muss man Dinge wiederholen, bis sie bleiben. Also, getreu nach dem Motto „Übung macht dem Meister“ habe ich nun sogar den kompletten Einstieg mit dem Haubenrahmen demontiert, wäre doch schade wenn ich nicht wüsste wie sowas geht…

Aber blenden wir etwas zurück. Vor einer Woche setzte ich erstmals das frisch lackierte Heckteil auf den Wagen. Beim schliessen des Einstiegs viel es mir sofort auf. Sowas nennt man im Fachchargon „Spaltmasse“. Nur war in meiner Fall eher eine Lücke denn ein Spaltmass das etwas zu gross geraten ist.

Eigentlich sollte zwischen dem Einstieg und der Heckklappe gerade soviel Platz sein, dass der Gummikeder passt. So habe ich die Position der Heckklappenbefestigung immer weiter nach oben korrigiert bis zum Anschlag. Naja, das reichte noch nicht, wie man auf dem Bild gut sehen kann. Klar, meine Heckklappe stammt von einem anderen Fahrzeug aber die Differenz war nun wirklich zu gross.

Nach intensiven Bildstudium von anderen KR200 kam ich zum Schluss, dass der komplette Einstieg mehr nach vorne und gleichzeitig nach unten gerückt werden muss. Na dann – Einstieg demontieren, alles Begutachten und entsprechende Korrekturen vornehmen. Nun habe ich den Einsteig um knapp 2 cm nach vorne gerückt alles neu verbohrt und siehe da es scheint langsam zu passen.

Jetzt liegt alles bereit zur Montage. Danach hoffe ich wieder etwas Land zu sehen und langsam aber sicher die ersten Zwei-Tack Töne aus dem Motor zu entlocken.

 

 

Seriöse Restauration – Velam Isetta

Heute habe ich einige Bilder von Erwin aus Holland erhalten, Er restauriert eine französische Velam Isetta. Interessant daran ist, dass er das Fahrzeug mit der sogenannten KTL-Versieglung vor Rost schützt.

– KTL steht für Kathodische Tauchlackierung – http://de.wikipedia.org/wiki/Kathodische_Tauchlackierung
– Ein Bericht aus Oldtimer-Markt: http://wurlitzer.de/download/de/Oldtimermarkt%20Bericht.pdf

So sieht die Karrossierie nach der Tauchlackierung aus:

Eine saubere Sache!

 

Brütsch Mopetta – Kupplung…

Letztes Wochenende war ich am Dolder-Classics. Dieses Treffen direkt vor meiner Haustüre ist immer wieder eine „Reise“ wert. Aber schon auf der Hinfahrt, den Berg hoch ist mir aufgefallen, dass die Kupplung bald am Ende des Lebenszyklus steht. Nach einigen Gesprächen und dem gewohnt aussergewöhnlichen Interesse an der kleinen Mopetta, begab ich mich auf den Heimweg.

Eins war klar, wo dem Rollermobilclub Jahrestreffen müssen die Kupplungsbeläge gewechselt werden.

Mopetta - alte Kupplungsbeläge demontieren

Da traf es sich gut, dass ich mit der Familie einen Abstecher nach Rapperswil unternahm, wusste ich doch dass der ansässige Mofa-Mech noch einige ILO-Motoren und sicher auch Ersatzteile im Regal stehen hat.

Ein kurzes Gespräch mit dem Mofa-Mech zeigte aber sofort, dass da nichts zu holen ist. Er hat natürlich solche Beläge, will sie aber nicht verkaufen! Alles bitten half nichts… Ich finde es sehr entäuschend, wenn Ersatzteile (die ja nicht jeden Tag verlangt werden) gehortet statt an Leute, die sie wirklich benötigen verkauft werden.

Dieses verhalten hilft bestimmt nicht dabei, möglichst viele Oldtimer auf der Strasse zu halten.

Also, wenn Ihr mal in Rapperswil sind – macht einen Bogen um das Geschäft von WEMAR

Glücklicherweise hatte ich noch zwei Ersatzmotoren, die nicht jünger sind aber zumindest Kupplungsbeläge haben. So wurden alle Motoren geöffnet, die besten Beläge ausgewählt und alles wieder zusammengebaut.

ILO V50 Motoren - Kupplungswahl...

Nun hoffe ich, dass die Kupplung wieder ihren Dienst tut und nicht allzu grosse Steigungen am Jahrestreffen zu bewältigen sind.

 

 

Mopetta Tuning – Teil 3

Schon bald wieder Weihnachten, die Zeit vergeht… Wie immer kommen die Restaurationsarbeiten etwas zu kurz, aber wenigstens kleine Fortschritte sind zu berichten. Den Motor habe ich demontiert, gereinigt und verschiedene Optimierungen vorgenommen:

Nun habe ich dem Motor einige neue Kugellager und Simmerringe spendiert und mit dem Zusammenbau begonnen. Beim Einbau der Kurbelwelle habe auf ein bewährtes Hausmittel zurückgegriffen, den Tiefkühler! Setzt man die gut gekühlte Kurbelwelle in die erhitzten Lagersitze ist kein Hämmern nötig – alles geht reibungslos zusammen.

Nun muss ich noch die Elektrik und den Zylinder einbauen, dann ist der Motor für die Feuertaufe bereit. Als Vergaser werde ich einen 15-er Bing verwenden und für die richtige Akustik sorgt ein Kreidler Florett Auspuff (damit sind schon in den 60-igern, die ILO’s hochgezüchtet worden).

Mopetta - Zusammenbau, ILO V54 - 3 Gang

Mopetta - Zusammenbau, ILO V54 - 3 Gang

Technikexkurs – Lambretta E, Kupplung

Warum ein Exkurs über die Lambretta ?

Das Schicksal einer guten Restauration ist ja bekanntermassen, dass man dann an diesem spezifischen Fahrzeug nichts mehr zu tun hat ! So bei meiner Mopetta (sieht man von den üblichen Verschleisserscheinungen ab).

Nun möchte ich mangels weiterer Kabinenroller die nach Arbeit rufen einen kleinen Exkurs zu meiner Lambretta Typ E von 1953 machen. Das E-Modell wurde damals als Antwort auf die Vespa „U“ als Billigmodell von Lambretta präsentiert. Anders als die Vespa war das E-Modell zwar etwas abgespeckt hatte aber im Vergleich zur Konkurentin immernoch viel mehr Teile und war entsprechend komplizierter im Aufbau.

Heute sieht man ein E-Modell nur noch sehr selten und wenn dann kaum im Einsatz im Verkehr. Mein Fahrzeug möchte ich wieder zulassen und so stehen einige Arbeiten an, bis das kritische Auge des Strassenverkehrsamtes den Code 180 rausrückt…

Das E-Modell hat neben dem offensichtlichsten Unterschied zu den anderen Lambretta, dem Seilzugstarter auch einige andere Besonderheiten, so wurde der Rahmen vereinfacht, die Lichtmaschine redimensioniert und alles was nicht wirklich notwendig war weggelassen. Zweiter Sattel, Werkzeugkasten, etc. waren nur als Zubehör erhältlich und mussten extra bezahlt werden.

Lambretta Typ E - Getriebe, Kardanwelle

Lambretta Typ E - Getriebe, Kardanwelle

Das grösste Problem meiner Lambretta besteht darin, dass ich beim betätigen der Kupplung den Motor abwürge – klingt irgendwie nach starken Reibung beim Kuppeln. Da hilft nur die grosse Zerlegung der Motorblock muss vom Getriebestrang demontiert werden.

Lambretta Typ E - Motorblock mit Seilzugstarter

Lambretta Typ E - Motorblock mit Seilzugstarter

Die Kupplung wird mittels einem Druckpilz auf dem ein Lager liegt betätigt und genau dieser Druckpliz ist bei meiner Lambretta so eingelaufen, dass beim kräftigen ziehen der Kupplung wohl die Lagerschale auf dem Druckpliz schleift und den Motor abwürgt. Nun hoffe ich dass dieses Ersatzteil noch bei anderen Lambretta verwendet wurde und es bei Karl Burtscher erhältlich ist.

Lambretta Typ E - Druckpilz und Lager

Lambretta Typ E - Druckpilz und Lager

Lambretta Typ E - Explosionszeichnung Kupplung (NR. 2)

Lambretta Typ E - Explosionszeichnung Kupplung (NR. 2)

Hoffen wir dass sich das Problem mit einem neuen Druckpliz lösen lasst… Dazu später mehr.